Netzwerke: Das Stiefkind im Hausbau

Bei Neubau oder Renovierungsarbeiten richtet man sich allgemein danach, moderne Standards einzuhalten. So wird bei der Planung bereits darauf geachtet, die Elektroinstallation ausreichend zu dimensionieren und Heizanlagen nicht nur aktuellen Vorschriften entsprechend, sondern zukunftssicher auszurichten. Was Netzwerkverkabelung und Internet angeht, wird jedoch meist nach dem Standard verfahren: „Ein Telefonanschluss im Wohnzimmer oder auf dem Flur, den Rest dann per W-Lan“.

Natürlich können nahezu alle Datenübertragungen über W-Lan und damit kabellos erfolgen, dennoch sind die Vorteile einer gut geplanten Verkabelung nicht zu unterschätzen. Ein W-Lan Signal ist störanfällig, gerade aufgrund der Tatsache, dass ein Großteil der Häuslebauer sich auf eben dieses verlassen: Eine „Überflutung“ der Nachbarschaft mit W-Lan Netzwerken, die sich gegenseitig negativ beeinflussen, ist heute oft Standard. Dazu kommt, dass durch bauliche Gegebenheiten ein vernünftiger Zugriff auf das Internet oft nur nahe des Routers möglich ist, und das W-Lan in anderen Räumen durch Baustrukturen geradezu „abgeschottet“ wird. So hat man durch Planungsfehler einen Neubau mit Mängeln, behilft sich mehr schlecht als recht mit W-Lan Repeatern oder Powerline-Adaptern und ärgert sich darüber, dass man das Thema Netzwerkkonnektivität vernachlässigt hat.

Weshalb ist eine schnelle und in jeden Raum verfügbare Netzwerkinfrastruktur so wichtig?

Eines der wichtigsten Beispiele sind die heutzutage immer populärer werdenden Video- und Musikstreamingangebote. Der aktuelle Standard in Sachen Videoauflösung ist FullHD mit 1920×1080 Pixeln, bei 24 Bildern pro Sekunde. Zusätzlich setzt sich 3D immer weiter durch und HFR – Filme mit 50 Bildern pro Sekunde – sind heutzutage auch keine Seltenheit mehr. Dazu kommt UltraHD, dass mit einer Auflösung von 3840×2160 Pixeln ebenfalls schon beworben wird. Würde der damit verbundene Datendurchsatz für HD-Videomaterial bei W-Lan ohne Störeinflüsse (wie weitere Clients, die sich im W-Lan befinden, im Frequenzband funkende Accesspoints der Nachbarn oder die Betonwand zwischen Schlafzimmer und Wohnzimmer) noch ausreichen, wäre spätestens bei UltraHD schluss.

Da die Technik nicht stehen bleibt und auch Telefonie inzwischen meist über Internet läuft, verfügen selbst Alltagsgeräte wie Fernseher und Spielekonsolen heutzutage über einen Netzwerkanschluss. Zu guter Letzt sind gut erreichbare Netzwerkanschlüsse nicht nur ein angenehmes Feature für den Bewohner, sondern ein wichtiges Element um dank ihrer Hilfe ein gut funktionierendes W-Lan zu errichten (Denn auch wenn man nicht auf W-Lan als alleinigen Bestandteil des eigenen Netzwerks zählen sollte, so hat es doch ohne Frage gerade im Zeitalter der Handys und Tablets seine Daseinsberechtigung). Daher ist es selbsterklärend, weshalb nicht nur auf ausreichende Stromversorgung, sondern ebenso auf ausreichende Netzwerkversorgung geachtet werden sollte.

Zu guter Letzt bleibt noch der Trend zur fortschreitenden Hausautomation zu erwähnen. Intelligente Licht- und Heizungssteuerung ist heute mehr und mehr verbreitet. Schnell besteht dann der Wunsch, weitere Geräte zur Rolladensteuerung, Hausüberwachung oder ähnliche einzubinden: Wer sich hier auf die oft erhältlichen Systeme im 433 MHz oder 868 MHz Bereich verlässt, wird schnell die bereits im Abschnitt zum Thema W-Lan erwähnten Probleme feststellen: Verbindungsabbrüche, Signalstörungen und Fehlmeldungen.

Welche Verkabelung ist richtig?

Das Ethernet wird noch auf lange Sicht Standard bei der Verkabelung bleiben. Bei einer Neuinstallation der Netzwerkkabel empfehle ich daher sogenannte Cat 7 Verkabelung. Diese ist nicht viel teurer als Cat 6 (oder gar Cat 5) und sind geeignet für Datenübertragungsraten bis zu 10 GBit/s und dürften für lange Zeit ausreichend schnell sein, so dass Sie hiermit auf jeden Fall nichts falsch machen und auch für die Zukunft gut ausgerüstet sind. Bei den Netzwerkdosen reichen hingegen Cat 6 Anschlüsse aus – Cat 7 Anschlüsse sind nicht abwärtskompatibel und derzeit auch nicht verbreitet. Sollte sich dies ändern, sind die Netzwerkdosen jedoch schnell umgerüstet.

Die Anzahl der Netzwerkanschlüsse in den Zimmern hängt vom jeweiligen Nutzer ab, auch spielen die Kosten hierbei natürlich auch eine Rolle. Bei einem Neubau sind in jedem Zimmer mindestens eine Doppel-Netzwerkdose zu empfehlen – im Wohnzimmer dagegen mindestens zwei oder drei. Lieber bei der Planung bereits ein paar mehr Netzwerkdosen installieren lassen, als nachträglich Aufrüsten zu müssen.

Und Leerrohre?

Bei der Frage, ob während der Bauphase zusätzliche Leerrohre zur späteren Nachrüstung zusätzlicher oder aktueller Verkabelung verlegt werden sollen, herrscht Uneinigkeit. Allgemein wird eher dazu tendiert, diese wegzulassen. Als Begründung wird angeführt, dass Leerrohre oftmals während der Bauphase beim Verlegen beschädigt werden, im Laufe der Zeit durch den Hausbesitzer angebohrt werden, oder sie – wenn der Platz benötigt wird – eh schon von vorhandenen Kabeln belegt sind. Dennoch bin ich der Meinung, dass die Investition in Leerrohre nichts Verkehrtes ist.

Ein Serverraum für den Hausgebrauch?

Ganz so wild ist es natürlich nicht. Ein Serverraum im herkömmlichen Sinn ist natürlich nicht nötig. Allerdings sollten die verlegten Kabel nicht einfach irgendwo, sondern an einem zentralen Ort enden. Dafür eignet sich am besten der Hauswirtschaftsraum oder der Keller: Hier liegen meist auch Telefon und Internet an, sowie der Hausverteiler des Kabelanschlusses. Ich empfehle einen Netzwerk- oder einen kleinen Serverschrank, die es in verschiedenen Größen gibt. Für ein normales Einfamilienhaus reicht meist ein kleiner 10″ oder 19″ Netzwerkschrank in 4-6 HE, der direkt an die Wand montiert wird. Sind weitere Dinge, wie z.B. eine Hausautomation oder ein zentraler Fileserver geplant, bietet sich ein kleiner 19″ Serverschrank an.

Alle Netzwerkkabel werden nicht direkt an einen Switch oder gar den Router angeschlossen, sondern auf ein sogenanntes Patchpanel aufgelegt. Dabei handelt es sich grob gesagt um eine Reihe von „Netzwerkanschlüssen im Serverschrank“, die direkt zu den entsprechenden im Haus verteilten Anschlüssen führen. Wenn Sie nun hinter dem Router Ihres Internetproviders noch einen guten Switch installieren, können Sie mit Hilfe von kurzen Patchkabeln jede einzelne Netzwerkbuchse nach Bedarf mit Netzwerk versorgen, oder verschiedene Netzwerkbereiche (zum Beispiel für Unterhaltungsgeräte, W-Lan Access Points, PCs und Haushaltsgeräte) mit Hilfe farblich unterschiedlicher Kabel markieren und so auf den ersten Blick erkennbar machen.

Also… W-Lan? Oder doch ein komplett ausgestattetes Netzwerk?

Nun fällt schnell das Argument, dass das alles zwar ein nettes „Nice to have“ wäre – aber man selbst ja gar kein „Power-User“ ist, für eine derartige Ausrüstung keinen Bedarf habe und für das persönliche Empfinden der herkömmliche Internetzugang mit Router und W-Lan völlig ausreichend ist.

Das mag sein – es ist aber dennoch zu empfehlen, diese Themen im Vorfeld mit einem Spezialisten wenigstens besprochen zu haben. Bedenken Sie, dass eventuelle Mieter oder Käufer durchaus starkes Interesse an derartigen Dingen haben könnten: Weshalb eine ausgereifte Netzwerkplanung in den eigenen Vier wänden nicht nur ein nettes Feature ist, sondern ein wichtiges Verkaufsargument darstellen kann.

Bei Fragen zu dieser Thematik, sprechen Sie uns an. Wir sind gerne für Sie da!

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